Diagnose mit Umwegen

 

Kurz nach meinem 40. Geburtstag hatte ich wieder Probleme mit dem Rücken. Das rechte Bein und die rechte Wange waren ein wenig taub und kribbelten. Also bin ich zum Orthopäden.
Nach einigen Untersuchungen und einem Röntgenbild kam er auf mich zu und sagte ganz klar: “Wenn die Rechte Wange etwas taub ist, kann es ja wohl schlecht von den Bandscheiben an der Lendenwirbelsäule kommen“.
Er meinte nur, das ist nichts orthopädisches, sondern etwas neurologisches. Ich sollte mal dringend zu einem Neurologen gehen.

Nur kannte ich Keinen. Er durfte als Arzt mir keinen vorschlagen. Er gab mir eine Liste mit den niedergelassenen Neurologen in der Umgebung. Und nun Lotto spielen.
Die Liste auf den Tisch gelegt, meine Augen zu gemacht und blindlinks auf einen gezeigt.   Also wusste ich jetzt wo ich hingehen musste. Einen Termin gemacht und dann auf zum Doc.

Erst bin ich vom Arzt untersucht worden (ganze 3 Minuten) und dann hat eine Sprechstundenhilfe mir in den Beinen die Nerven durchgemessen (ca. 4 Minuten). Zum Schluß sagte mir der Arzt, dass er nichts negatives feststellen kann. Ich habe also nichts.
Das sagte er mir so von Oben herab.
Also bin ich wieder gegangen und habe mich als Simulant gefühlt.
Aber die Probleme hatte ich ja immer noch. Drei Wochen später bin ich wieder zum Orthopäden. Da er mich überwiesen hatte, bekam er den Bericht des Neurologen. Da hatte er mir dann den Bericht gezeigt. Da stand es dann schwarz auf weiß: “neurologisch kerngesund“.
Da habe ich nicht schlecht geschaut. Zum Glück hat er mir dann einen bekannten Neurologen empfohlen. Und da bin ich jetzt sehr dankbar drüber. Ich muss da ein wenig fahren, aber das ist es mir wert.
Er hat sich beim ersten Gespräch sehr viel Zeit für mich genommen. Obwohl das Wartezimmer proppe voll war. Wir haben uns bestimmt 20 Minuten unterhalten. Fragen und Feststellungen.
Dann sagte er mir ins Gesicht, dass ich MS habe. Er hat noch ein paar Untersuchungen durchgeführt. Damit hatte er seinen Verdacht bestätigt. Das zeigte mir, dieser Neurologe hat Ahnung. Glück im Unglück.

Dann ging das ganze Prozedere los. MRT, Lumbalpunktion und weitere Untersuchungen. Nervenbahnen in allen Extremitäten durchmessen, Reflexe messen, Sensibilität, Gleichgewicht, optischer Reiz der Sehnerven (Schachbrettmuster),

Jetzt hatte ich das in Stein gemeißelte Ergebnis: Multiple Sklerose (MS). Beim MRT wurde dann festgestellt, dass ich schon jahrelang MS habe. Weil ich beim ersten MRT-Bild sehr viele alte Entzündungsherde hatte.

Das hat mir gezeigt, es gibt zu wenig gute Neurologen. Meiner nimmt sich Zeit für seine Patienten, hört mir zu und hat dann immer ein AS im Ärmel. Er kann mich zwar nicht heilen, aber versuchen meine Probleme abzudämpfen.
So soll es ruhig weitergehen.

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