Viagra verringert MS-Symptome

Viagra verringert MS-Symptome drastisch im Tiermodell

Mit etwas Ironie könnte man die derzeitige Nachrichtenlage als „reizvoll“ für ausreichend aufgeschlossene Multiple Sklerose-PatientInnen verstehen. Zwar immer noch keine Heilung oder nur ein tiefer gehendes Verständnis in Sicht, aber die symptomatisch wirksamen Therapieoptionen versprechen interessante Entwicklungen.

Zuerst hat der deutsche Bundestag das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) zumindest so weit geöffnet, dass das THC-haltige Sativex von Almirall (über das wir im Zuge der UK-Zulassung berichteten) genau hindurchpasst und nun gibt ein Forschungsteam von der Universitat Autònoma de Barcelona in Spanien bekannt, dass es gelungen sei, 50% der Tiere innerhalb von nur acht Tagen symptomfrei zu bekommen.

Ein Forscherteam vom UAB Institut für Biotechnologie und Biomedizin unter der Leitung von Dr. Agustina García hat in Zusammenarbeit mit einem Forschungsteam von Dr. Juan Hidalgo von der UAB Institut für Neurowissenschaften die Effekte einer Behandlung mit Sildenafil, unter dem Markennamen „Viagra“ apotheken- und verschreibungspflichtig erhältlich, in einem Tiermodell der Multiplen Sklerose (Experimentelle autoimmune Enzephalomyelitis, EAE) untersucht. Die Forscher zeigten, dass eine tägliche Behandlung mit Sildenafil nach Krankheitsbeginn schnell die klinische Symptome reduziert hat, eine praktisch vollständige Genesung sei in 50% der Fälle nach acht Tagen der Behandlung festzustellen gewesen. Die Wissenschaftler beobachteten, wie das Medikament die Infiltration von Entzündungszellen in der weißen Substanz des Rückenmarks reduziert, wodurch Schäden an den Nervenzellen der Axone vermieden und die Myelinreparatur erleichtert wurde. (Eigene Übersetzung)

Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in ACTA NEUROPATHOLOGICA (2011) 121:499-508.

Mit Viagra war die Hälfte nach 8 Tagen symptomfrei

Dadurch, dass umfängliche Erfahrungen mit Slidenafil/Viagra vorliegen, sind sich die Forschungsteams sicher, dass klinische Studien nicht mehr lange auf sich warten lassen werden.

Zm Abschluss noch ein Erklärung aus der Wikipedia zur primären Wirkungsweise von Slidenafil:

Als Resultat wird beim Einsatz von Sildenafil eine normale sexuelle Stimulation zu erhöhten Blutspiegeln von cGMP im Corpus cavernosum und damit zu einer verstärkten Erektion führen. Ohne eine sexuelle Stimulation und Aktivierung des NO/cGMP-Systems löst Sildenafil keine Erektion aus.
(Wikipedia: Slidenafil – Wirkmechanismus)

Die Sorge vor ständigen Peinlichkeiten ist für männliche Patienten also unbegründet, eher sollte man vor voreiligen Selbstversuchen die Risiken dieses Medikaments ernst nehmen und Slidenafil nicht als Lifestyle-Medikament mißverstehen. Auch wenn die Versuchung groß ist, wie ein Kommentator auf einer US-amerikanischen Webseite schreibt:

I have a friend with MS and there’s no way they will be waiting years for the clinical trials. Try it now!

Ich habe nen Freund mit MS und auf keinen Fall werden die jahrelang auf Studien warten. Versuch’s jetzt!

Das können wir Multiple Sklerose-PatientInnen angesichts der Beschaffungssituation, Preisen und der gesundheitlichen Risiken nicht raten, aber versprechen, bei diesem spannenden Thema weiterhin am Ball zu bleiben. Vielleicht zahlen später ja mal die Krankenkassen.

(Quelle: MS-Reporter.de)

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