Polysaccharidimpf­stoff könnte MS abschwächen

Polysaccharidimpf­stoff könnte Multiple-Sklerose-Erkran­kung abschwächen


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Mainz – Von einem Ansatz für eine neue Therapieoption gegen Multiple Sklerose (MS) berichten Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz und des Transregio Sonderforschungsbereichs 128. Sie verwendeten dabei unter anderem den von der Weltgesundheitsbehörde (WHO) zur Behandlung von Typhus zugelassenen Impfstoff Vi Polysaccharid. Die Arbeit ist im EMBO Journal erschienen (2018; doi: 10.15252/embj.201899429).

Die Wissenschaftler um Frauke Zipp und Krishnaraj Rajalingam von der Universitätsmedizin Mainz berichten, dass auf der Oberfläche von Interleukin-17-(IL-17-)produzierenden Th17-Zellen die Proteine Prohibitin 1 und 2 hochreguliert sind. IL-17 ist ein Botenstoff des Immunsystems.

„Diese verstärkte Oberflächenexpression der Prohibitine 1 und 2 ging mit einer gleichermaßen hohen Aktivität der MAP-Kinase CRAF und der nachgeschalteten MAP-Kinase-Signalweiterleitung einher. Diese Beobachtung machten wir nicht nur bei gesunden Menschen, sondern auch für Th17-Zellen von Patienten, die an MS leiden“, erläuterte Zipp, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz.

Die Wissenschaftler wollten nun herausfinden, ob und gegebenenfalls wie sich die Interaktion zwischen Prohibitin und CRAF unterbrechen oder sogar verhindern lässt. Im Rahmen ihrer Studie verwendeten sie unter anderem den zur Behandlung von Typhus zugelassenen Impfstoff Vi Polysaccharid. Dieser Impfstoff unterbricht die Interaktion zwischen CRAF und Prohibitin und stellt somit eine neue Art von Kinasehemmer dar.

Es zeigte sich, dass dieser Impfstoff in der Lage ist, die Aktivität von CRAF in behandelten Zellen stark zu verringern. „In weiterführenden Untersuchungen im Krankheitsmodell konnten wir zeigen, dass die Anzahl antientzündlicher regulatorischer T-Zellen anstieg und sich dadurch die Intensität der MS deutlich verringern ließ“, so der Zellbiologe Rajalingam, Leiter der Cell Biology Unit in Mainz. „In einem nächsten Schritt planen wir, diese Erkenntnisse auch auf andere Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise die rheumatoide Arthritis zu übertragen“, berichtete er.

„Die zielgerichtete Therapie von Tumor- sowie Autoimmunerkrankungen mittels Kinasehemmern ist ein vielsprechender Ansatz, der bereits klinische Anwendung findet“, bewertete der Sprecher und Koordinator des FZI, Tobias Bopp, die Ergebnisse.

(Quelle: © hil/aerzteblatt.de)

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